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Fischerei

Die Haupteinnahmequelle der Menschen am Plattensee war Jahrhunderte lang neben Weinanbau die Fischerei. Besonders galt das für die Menschen in Tihany. Noch zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert haben hier vier bis sechs Fischerkompanien (eine Gruppe von Fischer die gemeinsam gefischt haben) die Küstengewässer abgefischt. Eine der Kompanien war die Fischerzunft „Disznós“, deren Zunfthaus heute als Freilichtmuseum genutzt wird. In der dazugehörigen Scheune werden die Werkzeuge der Fischerei ausgestellt. Offiziell erlaubt war die Berufsfischerei Ende des 19. Jahrhunderts nur noch auf der Ostseite der Tihanyer Halbinsel, da die Westseite der Abtei gehörte. Neben Berufsfischern gab es leider auch Gelegenheitsfischer, also die Wilderer. In Tihany verfügte jede zweite Familie über ein 10-15 Meter langes Wandernetz. Dieses wurde in Ufernähe, bis zur Hüfte im Wasser stehend, benutzt. Bei jedem Einholen des Netzes konnte man damit 3-4 Zentner Fisch fangen. Die auch als Brotfisch bezeichneten Brassen und Ziegen (Pelecus cultratus) wurden von den armen Leuten der umliegenden Dörfer gerne gekauft. Die Verkäuferinnen waren hausierende Fischerfrauen, die auf den Straßen mit verschiedenen Reimen auf sich aufmerksam machten, wie etwa: „Fisch kaufen, schnell laufen, bald ist nichts mehr da!“. Die besten Edelfische (Zander, Wels, Hecht, Karpfen) wurden auf den Fischmärkten in Pest, Graz und Wien verkauft. Die Hauptfangsaison war der Winter, denn in den kalten Jahreszeiten konnte man den Fang auch über weite Strecken transportieren, ohne dass er zu verderben drohte. Die Fischer haben ein kompliziertes, sechseckiges System mit Löchern in das dicke Eis gesägt, und zogen das Netz mit Hilfe von Spezialwerkzeugen im Wasser unter dem Eis durch. Die dabei verwendeten Werkzeuge sind ebenfalls Teil dieser Ausstellung. Sie zogen das Netz mit Hilfe eines Y-förmigen Stockes aus dem Wasser, welches sie an ihren Hüften oder an den Schultern befestigt haben. Im Sommer benutzten die Fischer den „Einbaum“, eine uralte Form der Wasserfahrzeuge, welche aus einem einzigen Baumstamm ausgehöhlt und mit Rinderdung wasserdicht gemacht wurde. Der instabile und nur schwer steuerbare Einbaum wurde gegen 1890 durch Plankenboote aus Komárom (eine Stadt an der Donau) ersetzt. Die beiden wichtigsten Arten der Fischerei am Plattensee waren die Treibnetzfischerei mit Baumwollnetzen und die Schleppnetzfischerei mit Hanfnetzen. Bei der ersten Methode wurde das Netz ins Wasser geworfen und dort einige Stunden liegen gelassen, damit sich die Fische in dem feinen Material verfangen; während bei der zweiten Methode die Fischer die mit einem starken Netz umzingelte Beute direkt ins Boot oder an das Ufer gezogen haben.

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